Reformen unseres demokratischen Systems sind zurzeit ein großes Thema. Und sie berühren die Interessen derjenigen, die darüber entscheiden, ganz elementar. Wer Beteiligte dazu interviewt, wird deshalb häufig wohlabgewogene Antworten bekommen: Man kann Bedingungen nennen, mehrere Möglichkeiten offenhalten und vermeiden, sich unnötig festzulegen.
Uns interessierte aber gerade, was passiert, wenn das nicht möglich ist: Welche Interessen werden gegeneinander abgewogen? Welche Prioritäten werden gesetzt? Welche Kompromisse sind akzeptabel – und welche nicht? Und wie wird das eigene Verhalten in einer solchen Situation begründet?
Um das herauszufinden, haben wir politisch erfahrene Teilnehmende in zwei wissenschaftlichen Planspielen in die Rollen von Bundestagsabgeordneten versetzt. Sie mussten sich innerhalb ihrer Fraktionen positionieren, Verhandlungsstrategien entwickeln, Mehrheiten suchen, Kompromisse aushandeln und schließlich konkrete Entscheidungen treffen. Interessant war dabei nicht nur, wie sie entschieden, sondern auch, wie sie ihr Verhalten erklärten und begründeten – oder einer eindeutigen Festlegung auswichen. Genau diese Abfolge von Positionierung, Verhandlung, Kompromisssuche und abschließender Entscheidung war Bestandteil der Simulationen.
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Die Idee dazu entstand im Forschungsprojekt „Demokratiereformen in der Berliner Republik“, das von der VolkswagenStiftung gefördert wurde. Ziel der Planspiele war es, durch Beobachtung und Befragung besser zu verstehen, wie sich zentrale Akteure in Reformprozessen verhalten und unter welchen Bedingungen Demokratiereformen erfolgreich sind. Aufgrund unserer Expertise mit Planspielen wurde polyspektiv hinzugezogen. Gemeinsam mit dem Progressiven Zentrum haben wir die beiden Forschungsplanspiele vorbereitet und durchgeführt.
Im ersten Planspiel ging es um die Institutionalisierung von Bürgerräten auf Bundesebene, im zweiten um die Verankerung des Wahlsystems im Grundgesetz. Beide simulierten einen parlamentarischen Reformprozess im Deutschen Bundestag mit Fraktionsberatungen, informellen Verhandlungen, Sachverständigenanhörung und Ausschussberatung.
Die Zusammenarbeit war herausfordernd und für alle Beteiligten sehr interessant. Einen Eindruck davon, wie ein solches Forschungsplanspiel funktioniert, vermittelt der Film. Die Forschungsergebnisse sind inzwischen in einer Broschüre dokumentiert.
Wir würden unser methodisches Instrumentarium jederzeit gerne wieder innovativ und mit neuen Zielstellungen anwenden.
Weiteres zum Thema:
- Bericht beim Progressiven Zentrum
- Ergebnisbroschüre (PDF-Download)
- „Als wollte man mit dem Brotmesser rasieren“ – Gedanken von Frank Burgdörfer
Ein paar Eindrücke
(Dank an Adrian Lächle und Das Progressive Zentrum für die Bereitstellung der Fotografien)













