#Augenhöhe

Für ein groß angelegtes Planspiel im Deutschen Bundestag entwerfen wir gerade ein neues Szenario: Deutschland verhandelt eine Partnerschaft mit Staaten der Ostafrikanischen Gemeinschaft. Der Anspruch: Augenhöhe.

Aber was heißt das eigentlich, Augenhöhe? Wie können wir uns in einer Welt voller historischer und aktueller Ungerechtigkeiten tatsächlich gleichberechtigt begegnen? Wie kann Verantwortung für historische Ungleichheiten übernommen werden, ohne in paternalistische Muster zu verfallen? Wie werden Interessen transparent verhandelt, ohne sie gegeneinander auszuspielen? Und wer definiert eigentlich, wann Augenhöhe erreicht ist? Was die jungen Erwachsenen im Planspiel definieren sollen, kann ich selbst kaum präzise fassen.

Ich denke zurück an unsere Projekte mit dem Deutsch-Afrikanischen Jugendwerk, bei denen wir junge Erwachsene aus verschiedenen afrikanischen Ländern und aus Deutschland zusammengebracht haben – zum Austausch, zur Vernetzung, zum Abbau von Vorurteilen und zur Entwicklung gemeinsamer Projektideen im Rahmen der Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen (SDGs).

Auch dort war „Augenhöhe“ eine der grundlegenden Leitlinien. Doch so sehr wir uns im Vorfeld bemüht haben – mit einem privilegiensensiblen Bewerbungsprozess, einem divers zusammengesetzten Team mit unterschiedlichen Perspektiven, mit der Auseinandersetzung mit kolonialen Kontinuitäten, mit Raum für Partizipation und Feedback – Augenhöhe entsteht nicht automatisch. Sie ist kein gelungener Kuchen, bei dem man nur Schritt für Schritt die Zutaten mischt, wartet – und voilà.

Ungleichgewichte bei Macht und Ressourcen bleiben bestehen. Wirtschaftlicher Wettbewerbsdruck wiegt oft schwerer als gemeinsame Verantwortung oder soziale und ökologische Nachhaltigkeit. Vielleicht liegt genau darin die eigentliche Zumutung: Es gibt kein Patentrezept.

Augenhöhe ist kein Zustand, sondern ein Prozess. Ein Prozess, in dem wir Komplexität nicht vereinfachen dürfen, sondern sichtbar machen müssen. In dem wir uns als Menschen begegnen: mit eigenen Interessen, mit Befindlichkeiten, Verletzungen und Fehlern. Wer von Partnerschaft spricht, muss bereit sein, Macht zu teilen.

Wer Augenhöhe will, muss bereit sein, sich selbst zu hinterfragen und anderen tatsächlich entgegenzukommen. Alles andere bleibt Rhetorik.