Politische Bildung spricht Schülerinnen und Schüler in der Regel erst ab etwa der 8. Klasse an. In den üblichen Programmen spielen Jüngere kaum eine Rolle – ebenso wenig bei den Ausschreibungen und Erkundigungen, die wir üblicherweise erhalten.
Als die Anfrage der Europäischen Kommission kam, Unterrichtsmaterialien zur Europäischen Union für Grundschüler zu erstellen, waren wir deshalb begeistert. Wir konnten unser inneres Kind einmal herauslassen und überlegen, was uns Spaß macht – und Kindern Spaß machen könnte.
Gleichzeitig mussten wir ganz anders an eigentlich vertraute Fragestellungen herangehen: Wie erstellen wir Materialien für diese Zielgruppe? Für Kinder, die noch keine Grundkenntnisse haben? Wie konzipiert man Materialien, die möglichst wenig voraussetzen, Informationen leicht verständlich vermitteln und dabei trotzdem nicht unterfordern? Eine schöne Herausforderung! Die Unterlagen sollten für Lehrkräfte möglichst einfach einsetzbar sein. Deshalb haben wir zu den einzelnen Modulen Leitfäden erstellt.
Hilfreich war es, Kinder direkt in die Entwicklung einzubeziehen – daher war es praktisch, zu Hause ein Grundschulkind zu haben. Bei der Erprobung einiger Materialien mit Grundschulklassen baten wir dann die Kinder selbst um Kritik und konnten so die Unterlagen weiter optimieren. Dabei kamen Dinge heraus, an die wir gar nicht gedacht hatten: zum Beispiel einen Kompass einzubauen, damit zu erkennen ist, wo Norden ist. Auch wurde uns abverlangt, die Anleitung für ein Würfelspiel so klar zu formulieren, dass wirklich alle Kinder sie verstehen können. Und unsere erste Beschreibung von Werten bestand den Praxistest ebenfalls nicht. Ganz generell mussten wir eine andere Sprache wählen: anschauliche Begriffe statt Fachwörter, deren Verständnis wir älteren Gruppen regelmäßig abverlangen.
Es war ein langer Prozess – und für uns bei polyspektiv eine ausgesprochen interessante Herausforderung. Denn politische Bildung für Kinder zu machen, erwies sich als keineswegs einfacher als für Jugendliche oder Erwachsene. Im Gegenteil: Man muss vieles noch einmal ganz neu durchdenken und auf das Wesentliche herunterbrechen, ohne es dabei falsch oder banal werden zu lassen.
Aber wenn wir Demokratie ernst nehmen, sollten wir nicht erst dann mit politischer Bildung anfangen, wenn junge Menschen fast erwachsen sind. Wir haben erlebt, wie ernst sie Demokratie, Europa oder gesellschaftliches Zusammenleben nehmen, wenn man sie ernst nimmt.
Am Ende ist ein schöner Blumenstrauß aus ganz unterschiedlichen Methoden und Inhalten entstanden, den man bei der EU-Kommission herunterladen kann.




